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Das Gepäck ist praktisch alles bereit. Nochmals ein Check der Reisehinweise des EDA - keine Reisewarnung. Wir werden also gehen! Wir haben heute auf dem Internet die Reiseroute angesehen Zürich - Wien - Teheran mit Überflug sowohl von Teilen Iraks wie auch Syrien. Im Moment scheint mir dies fast das grösste Risiko...
Am Abend noch kurz Modeschau gemacht: Ich hatte vor unserer letzten Reise einige Iran-konforme langärmlige, lange und bequeme Hemden besorgt, die mir ausgezeichnete Dienste geleistet hatten. Chic ist anders, aber funktionell für so eine Reise eindeutig vorzuziehen. Ich bin gespannt, wie das mit dem Fliegen wird: Da wir nicht mit Iran Air fliegen, muss ich meinen Hijab nicht bereits für das Boarding bereit haben. Ich nehme auch nicht an, dass die Damen auf dem Flug beim Eintritt in den iranischen Luftraum das Kopftuch umlegen müssen - oder doch? Dies bringt mich zur Frage, ob man in einem Österreichischen Flugzeug in Iranischem Luftraum eher in Österreich oder in Iran ist. Da ich gerade offline unterwegs bin, kann ich diese Frage auch nicht mit einer Suche im allwissenden Internet beantworten. Wir werden sehen... Das mit dem Fliegen ist ohnehin so eine Sache: ich fliege ausgesprochen ungern. Nicht nur, weil ich generell lieber mit meinen zwei Beinen auf dem Boden stehe. Sondern auch, weil mir das mit dem Fliegen häufig etwas zu schnell geht: Im einen Moment ist man in Europa und im nächsten in Übersee oder in Asien oder - wie eben bei uns - im Iran. Ganz ohne Vorwarnung oder ohne die Möglichkeit, sich an ein Land heranzutasten wird man im Unbekannten aus dem Flugzeug gespült hinein in das Wohnzimmer einer anderen Gesellschaft und Kultur... 2010 sind wir über Italien - Kroatien - Montenegro - Albanien - Griechenland und die Türkei nach Iran gereist. In den fast drei Wochen, die wir uns damals für die Reise Zeit genommen hatten, haben wir uns nicht nur Persien angenähert, sondern auch sanft und beinahe unmerklich der Kultur und den Sitten. Der Unterschied beispielsweise zwischen einem kleinen Dorf in Anatolien und einem in Iran ist nicht so gross: auch in Anatolien sind viele Frauen tief verschleiert, vor allem die älteren sind mit dem grossen, schwarzen Tschador unterwegs, und bereits ab Istanbul wird nicht mehr überall Alkohol serviert. Und Minarette stehen ja schon in Albanien und Griechenland, wenn auch die Muezzin in sunnitischen Gebieten nicht genau dasselbe rufen wie ihre schiitischen Kollegen in Iran.
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Vor der Reise2010 sind wir nach Iran gefahren - von dieser Reise habe ich eine Vielzahl von Fotos, unendliche viele Eindrücke und unzählige Ideen für Texte mitgebracht. Nun stehen wir wieder vor einer Reise: Eine gute Gelegenheit, in Erinnerungen zu schwelgen...
2010 sind wir quer durch die Türkei gefahren und hatten unsere letzte Nacht vor der Grenze in Erzurum verbracht. Dort haben wir unser Auto umgepackt: Kurzärmlige T-Shirts und Shorts weggepackt und stattdessen die langen Hemden und langen Hosen bereitgelegt. Die Schals – die Haare sollten zumindest in der Öffentlichkeit für die nächsten Monate verschwinden, genauso wie die Fesseln, der Hals, die Unterarme. Mir war etwas schummrig: Wir würden wir über die Grenze kommen? Welche Probleme würden wir haben? Würden die gestrengen Hüter der Moral bei unserer Passage unser verwerflichen Güter finden und beanstanden, die Geschenke, die Musik, die iPods, die Festplatten voller Filme und Songs, die Parfüm-Flacons, die Schminksachen für die Nichten, die Technik für die Neffen, meine Bücher? Neben drei Reiseführern, einigen Wälzern über Persepolis, die Achamäniden und zur sassanidischen und frühislamischen Architektur, Axworthys „Iran – Empire of Mind“ sowie einem Taschenbuch mit Byrons „Road to Oxiana“ und Elliotts „Persien“ begleiten mich zeitgenössische Sachbücher (van Gent, Schirra, Hofmann etc.) und einige Erfahrungsberichte von Exiliranerinnen. Diese liegen gut verstaut zwischen Ferdousis „Rostam“, Hafis „Divan“ und einem Bändchen mit klassischen persischen Gedichten. Obenauf gepackt eine Studentenausgabe von Herodots „Historien“ und eine Einführung in den Islam.
Vor uns werden die Pilger aus dem Bus getrieben und versammeln sich auf dem engen Platz zwischen Polizeigebäude und wartenden Fahrzeugen. Stoisch harren sie inmitten ihrer Bündel und Säcken aus – alte Männer in schwarzen Hosen und dunklen Westen über blütenweissen Hemden. Viele von ihnen tragen keine Jacke, obwohl ein empfindlich kalter Wind weht. Die Frauen in schwarze Tschadors gehüllt, die bei unachtsamen Bewegungen hie und da einen Zipfel hellen Stoff oder gar bunt gemusterte Unterkleider freigeben. N verlässt den Wagen und lässt mich alleine zurück. Mir ist unwohl und obwohl ich mich auf die Reise freue und ihr auch in freudiger Erwartung entgegensehe, fühle ich mich hier zwischen diesen Gittern der geballten Staatsmacht zu nahe... 2018: Ich habe lange gebraucht, N. davon zu überzeugen, wieder einmal in seine alte Heimat zu reisen. Zu unsicher sei es derzeit. Mit der Wahl des neuen Präsidenten Hassan Rohani, der als Nachfolger von Ahmadinedschad 2013 im Westen als gemässigt wahrgenommen wurde und mit dem Abschluss des Atomabkommens im Juli 2015 sah ich meine Chance für eigene Neuverhandlungen zum Thema mit N. gekommen und endlich, nach zähen Verhandlungen und Diskussionen stimmte er diesen Spätwinter einer neuerlichen Reise zu. Die Zeit während unserer letzten Reise war geprägt von den Unruhen nach den Wahlen von 2009 vor der Abreise und regelmässigen Drohgebärden Ahmadinedschads 2010 in Richtung Israel, den von den USA verhängten Sanktionen gegen Iran und den Diskussionen um die Inbetriebnahme des ersten Atomkraftwerks in Busher, die für den Sommer geplant war (Stuxnet verhinderte diese Inbetriebnahme für mehrere Monate). Die Sanktionen waren im täglichen Leben durchaus spürbar: die Währung verlor massiv an Wert und die Preise für die Güter des täglichen Bedarfs stiegen stark an. Ansonsten spürten wir keine grösseren Auswirkungen – die Leute blieben weiter in ihrer gewohnten Art herzlich, gastfreundlich und sehr hilfsbereit und immer daran interessiert mit uns «Westlern» in Kontakt zu treten: die Isolierung des Landes bedeutete für sie auch eine persönliche Isolation, die sie gerne und häufig mit Kontakten zu Reisenden durchbrachen. 2018 waren im Januar wiederum Unruhen im Land. Insbesondere die hohen Lebenshaltungskosten und die Arbeitslosigkeit trieben die Leute auf die Strassen: Die Kosten stiegen laufend an und die Regierung finanziere gleichzeitig Truppen in Kriegsgebieten wie Syrien und Yemen, seit Jahren bereits die Libanesische Hisbollah und neuerdings auch Schiitengruppen in Saudiarabien. Im Juni hat der US-amerikanische Präsident Donald Trump das Atomabkommen mit Iran aufgekündigt und schärfere Sanktionen angedroht. Angesichts der drohenden Verhängung neuer US-Wirtschaftssanktionen gegen den Iran, die in zwei Schritten am 6. August und am 4. November in Kraft treten sollen, büsste die iranische Währung im Juli binnen zwei Tagen 18 Prozent ein und hat damit seit Jahresbeginn fast zwei Drittel ihres Werts eingebüsst. Die Süddeutsche Zeitung schreibt dazu: «Der Dollarkurs ist zum Symbol der Misere geworden, ein Maß für die Verunsicherung im Land, das schwindende Vertrauen». Im April hat die Regierung den Dollarpreis auf 42'000 Rial festgesetzt und Dollar werden nur noch für den Import von wichtigen Gütern eingesetzt. Für den Umtausch von Dollar in Rial im Land selber müssen Banken oder staatlich lizenzierte Wechselstuben benutzt werden. Da jedoch die Wechselkurse auf dem Schwarzmarkt einiges besser sind, hat hier über die letzten Jahrzehnte ein blühendes Geschäft entwickelt. Sehr zum Unmut der Regierung, die in den letzten Monaten vermehrt Razzias gegen Schwarzwechsler unternommen hat und diese streng bestraft. So schreibt die Süddeutsche weiter: «Der radikale Großayatollah Naser Makarem Schirazi, 91, hat gefordert, ein paar Geldwechsler zu exekutieren, zur Abschreckung. Lange Haftstrafen drohen heute schon, auch den Kunden. Doch das hat den Preis nur noch weiter nach oben getrieben. Die Leute kaufen jetzt Immobilien, importierte Autos oder Gold, um ihr Vermögen zu retten. Aber auch diese Waren werden immer teurer». Vor einigen Tagen haben Rohani und hochrangige Militärs damit gedroht, die Öllieferungen der Golfstaaten durch die Straße von Hormus zu blockieren, falls die USA wie geplant gegen Teherans Ölexporte vorgehen. Trump täusche sich, wenn er davon ausgehe, dass Saudi-Arabien und andere Förderstaaten die Verluste am Ölmarkt wettmachen könnten, die durch die Sanktionen gegen den Iran entstünden. Worauf Trump prompt per Twitter an die Adresse Rohanis reagierte: "Bedrohe niemals mehr die USA oder du wirst Konsequenzen erleben, wie sie in der Geschichte nur wenige erlebt haben". Kurz danach sagte Rohani, die feindselige US-Politik könne "zur Mutter aller Kriege" führen. Zugleich sagte er, Amerika solle wissen, dass "Frieden mit dem Iran die Mutter allen Friedens ist". Gleichzeitig verhandeln beide Parteien derzeit über ein Treffen. Reisewarnungen für die Reise nach Iran als ganzes liegen keine vor. Es wird von der Reise in bestimmte Gebiete (Grenzgebiete zu Afghanistan und Pakistan sowie teilweise Irak) gewarnt – insgesamt beträgt die Beurteilung von heute gemäss dem Reisewarnindex von www.reisewarnung.net auf Stufe drei von fünf – was derselben Einschätzung von Reisen in die Türkei entspricht. Wir werden sehen...
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Autor"For my part, I travel not to go anywhere, but to go. I travel for travel's sake. The great affair is to move; to feel the needs and hitches of our life more nearly; to come down off this featherbed of civilization…" ArchivKategorien |
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