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Zwischenbemerkung oder: von der Oberflächlichkeit des Bloggens

7/9/2018

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So eine Reise nach Iran ist ja eine lustige Sache – auf diese Idee könnte man durchaus kommen, wenn man meine bisherigen Texte liest. Alles ist in Ordnung, abgesehen von einigen Einschränkungen im Internet und ein paar wirtschaftlichen Problemen. Die Menschen sind allesamt lustig, freundlich und manchmal etwas einfach. Kurz: No Problem (oder wie ich dies ein meinem Pferdebeitrag beschrieben habe: «Moshgel nist»!).

Natürlich ist dem keinesfalls so. Iran ist kein demokratisches Land. In Iran ist Meinungsäusserung keine Freiheit, sondern Äusserung der Meinung kann die Freiheit kosten. Wer sich nicht staatskonform verhält, wird gebüsst oder büsst – nicht selten mit dem Leben. Die Frauen spielen aus Sicht des Staates nur eine untergeordnete Rolle. Sie sind – im wahren Sinne des Gesetzes – nur halb soviel wert wie ein Mann und werden von vielen Bereichen des öffentlichen Lebens ausgeschlossen. Es ist viel Schlimmes passiert in Iran und es passiert immer wieder viel Schlimmes.

Iran ist jedoch erfüllt von Farben, Geräuschen, Gerüchen, von Menschen und Worten und Melodien, und die grell, sanft, laut, bedrohlich, leise, still, schillernd, seelenvoll, chaotisch, mystisch und so lebendig und herzzerreissend immer wieder erstaunen und verwirren und das facettenreiche, ergreifende und einnehmende dieses Landes und seiner Menschen ausmachen. Iran ist gegensätzlich, schwarz, weiss und bunt zugleich und voller Muster, einfach und dennoch kompliziert geknüft wie ein wunderbarer Teppich und wenn man sich Zeit nimmt, zuhört, schaut, dann eröffnet sich immer wieder Neues, Überraschendes, Anderes.

Wenn ich in meinem Blog nur wenig über die Geschichte, die Regierung oder die aktuelle Situation in Iran schreibe, dann ist dies nur zu einem Teil der Oberflächlichkeit des Bloggens geschuldet, sondern ist etwas komplizierter. Einerseits bestehen gewisse Probleme technischer Natur, die eine sorgfältige Recherche für objektive Berichterstattung schwierig machen. Andererseits wird bereits sehr viel «schwarz-weisses» berichtet, und ich möchte mehr buntes, farben-frohes schreiben, über die Gastfreundschaft, die Herzlichkeit, die Lebendigkeit und die Wärme der vielen Menschen verschiedenen Alters und Bildungsstufen, denen wir hier begegnet sind und über die vielen kleinen und grösseren Geschichten ihres Alltags.


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    "For my part, I travel not to go anywhere, but to go. I travel for travel's sake. The great affair is to move; to feel the needs and hitches of our life more nearly; to come down off this featherbed of civilization…"
    B. L. Stewenson : Travels with a Donkey. In: E. Crawshay Williams: Across Persia, London 1907

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