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Wirtschaftliche Situation

29/8/2018

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Die Iraner sind seit vielen Jahren an eine prekäre wirtschaftliche Lage gewöhnt: Seit der Erstürmung der amerikanischen Botschaft der 444-tägigen Geiselnahme ihres Personals, die zu einem Tiefpunkt in den Beziehungen zu den USA geführt hat und von den USA breite Sanktionen zur Folge hatte, die bis heute in Kraft sind. Seit dem Iran-Irak-Krieg, der auf beiden Seiten über eine Million Menschenleben gekostet hat und 1989 in einem Patt endete. Und seit den Sanktionen rund um das Atomprogramm des Iran, die 2010 bei unserem letzten Besuch einen Höhepunkt erreichten. Nach dem Abschluss des Atomabkommens im Juli 2015 und den damit gelockerten Sanktionen erhoffte man sich hierzulande einen Aufschwung. Dieser blieb jedoch aus: Sowohl die Geldspritze der EU wie auch die Einkünfte aus dem verstärkten Handel versickerten irgendwo in den Taschen korrupter Beamter und Wirtschaftsführer. Die Arbeitslosigkeit blieb unverändert hoch, die Löhne tief und die meisten Familien kommen mit einem einzigen Lohn nicht aus, sondern neben der Haupttätigkeit ist es nötig, verschiedenen Nebenjobs nachzukommen. Im Juli 2018 betrug die Arbeitslosenquote rund 12 Prozent, bei den unter 25jährigen liegt sie derzeit geschätzt bei rund einem Drittel.
Irans Wirtschaft ist in hohem Masse zentralisiert, vom Staat kontrolliert und von der Produktion von Erdöl und Erdgas abhängig. Über vier Fünftel der Staatseinnahmen stammen aus dem Verkauf fossiler Energieträger. Das Land verfügt ausserdem über enorme Mengen verschiedener anderer Bodenschätze (u. a. Kohle, Eisen- und Buntmetallerze) sowie eine diversifizierte Industrie. Dank seiner entwickelten Agrarwirtschaft ist es bezüglich Nahrungsmitteln überwiegend autark. Aufgrund der Sanktionen in der Vergangenheit ist der Handel mit China relativ stark. Iran exportiert Öl nach China und China überschwemmt im Gegenzug den iranischen Markt mit seinen Produkten.
Die offizielle Landeswährung ist der iranische Rial. Im täglichen Leben wird jedoch mit Tuman gerechnet, wobei ein Tuman 10 Rial entspricht. Der Tuman wurde zwar bereits 1925 vom Rial abgelöst, wurde im Alltag jedoch nie aufgegeben.
Die Regierung hat den Wechselkurs vom Iranischen Rial zum US-Dollar auf 42'000 Rial pro Dollar eingefroren. Das Land versucht, Geschäfte soweit wie möglich nur noch in Landeswährung oder Euro abzuwickeln und hat Devisen rationiert. So können von Unternehmen beim Staat beschränkt US-Dollar bezogen werden. Dazu müssen sie sich aber verpflichten, die Marge ihrer Produkte anschliessend auf 3 Prozent zu beschränken. Ein Cousin von N, der eine chemische Fabrik zur Herstellung von Düngemitteln besitzt, sagt, dass er mit dieser Marge jedoch seine Arbeiter nicht mehr bezahlen könne. So schliessen immer mehr Unternehmen ihre Tore und warten die Entwicklung ab. Was man jedoch nicht laut ausspricht: Das mit der Marge ist wohl nur eine Vorschrift für Unternehmer, die nicht dem Staatsklüngel angehören.
Glücklich der, der im Moment über Dollarreserven verfügt. Der „tatsächliche“ Kurs für solche Geschäfte (d.h. der Preis, der bei Transaktionen pro Dollar bezahlt wird) liegt bei 115'000 Rial pro Dollar, was also fast das dreifache des Regierungspreises ist. Dies ist auch der Gegenwert, mit dem wir für unsere Reise rechnen, da dies dem vereinbarten Kurs für unsere familieninterne Geldtransaktion unseres Reisebudgets entspricht.
Unterdessen kostet ein Kilo gewöhnliches Fleisch zum Kochen rund 60'000 Tuman, das sind also 600'000 Rial bzw. etwas über 1.20 Dollar (offizieller Kurs) bzw. gut 6 Dollar zum tatsächlichen Gegenwert - Tendenz wöchentlich steigend. Zum Vergleich: ein günstiges Kopftuch Made in Iran kostet um die 20'000 Tuman, mein Manteau (vgl. Shopping-Eintrag im Blog) hat nicht ganz 100'000 Tuman gekostet – allen zur Beruhigung: ich habe diesen am Ende selber bezahlt. Der maximale Betrag, der pro Tag in Bar von der Bank abgehoben werden kann, sind 200'000 Tuman bzw. 2 Millionen Rial, also der Wert von etwas mehr als 3 Kilo Fleisch.
Unsere Nichte, die ein abgeschlossenes Sportstudium hat, arbeitet derzeit in einem Lampengeschäft. Dieser Tage hat sie sich in einer Schule für ein volles Lehrpensum vorgestellt: mit einem Anfangslohn von 4 Millionen Rial oder 400'000 Tuman – also gerade mal das Doppelte von dem, was täglich von der Bank abgehoben werden kann oder dem Gegenwert von etwas mehr als 6 Kilo Fleisch! Eine erfahrene Primarlehrerin bringt es auf rund 15 Millionen Rial pro Monat bzw. 1.5 Millionen Tuman. Damit liegen beide weit unter dem Durchschnittseinkommen in Iran entfernt, das gemäss Länderdaten.info bei rund 400 Euro pro Monat liegt. Trotzdem bezeichnet sich die Primarlehrerin als dem Mittelstand zugehörig.
Der Iran ist weitgehend von den internationalen Zahlungssystemen abgeschnitten. Als Privatperson nützen einem bei einem Iranaufenthalt daher weder Kredit- noch Bankomatkarte. Das gesamte Reisebudget muss in bar mitgebracht werden und wird vor Ort entweder in der Bank oder offiziellen Wechselstuben umgetauscht. Zwar gibt es einen blühenden Schwarzmarkt für das Geldwechseln auf der Strasse, dieser ist jedoch verboten und wer erwischt wird, wird hart bestraft. Glück hat, wer Bekannte mit einem Euro-Konto im Ausland hat: Hier kann das Reisegeld den Bekannten auf ihr Auslandkonto überwiesen werden und sie versorgen einen im Land selber mit dem entsprechenden Bargeld oder leihen einem die iranische Bankomat-Karte aus...
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    "For my part, I travel not to go anywhere, but to go. I travel for travel's sake. The great affair is to move; to feel the needs and hitches of our life more nearly; to come down off this featherbed of civilization…"
    B. L. Stewenson : Travels with a Donkey. In: E. Crawshay Williams: Across Persia, London 1907

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