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Von Frauen und Kleidern...

22/8/2018

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Am Mittag haben uns unsere Nichten aus dem Haus getrieben: Einkaufen war angesagt. Also den Schal umgelegt und los - ich bin erstaunt, wie locker die jungen Frauen hier Nahe der Hauptstadt mit den Kleidervorschriften umgehen: Der Manteau - bei unserem letzten Mal hier noch bis oben zugeknöpft - hängt nun offen und locker von den Schultern. Darunter trägt Frau nun Bluse, T-Shirt und ähnliches und statt die langen, eher unförmig geschnittenen weiten Hosen bestimmen Leggins und sogar Capri-Leggins die Beinbedeckung. Der Schal ist locker über den Haarknopf drapiert, hängt fast einem Haarteil gleich über die Schultern. Haare und Hals sind weit davon entfernt, bedeckt zu sein. Die Schuhe sind offen, die Nägel lackiert, die Fesseln und häufig auch die Unterschenkel zeigen nackte Haut und ab und zu sogar ein Tatoo. Offensichtlich haben wir wieder eine „milde Phase“ erwischt, eine Zeit, wo die Sittenwächter weniger streng durchgreifen und die Frauen sich die Freiheit ausnehmen können, die islamischen Kleidervorschriften zu dehnen und strecken wie amerikanischer Kaugummi. Was für ein erfreulicher Unterschied gegenüber dem letzten Mal als wir hier waren! Zwar sass auch damals das Kopftuch etwas lockerer, aber offene Schuhe, Leggins ohne geschlossenem Mantel bis zu den Kinien oder sogar nackte Unterschenkel war vor 8 Jahren noch völlig undenkbar! 

Unsere beiden Nichten schleppen uns zielgerichtet in ein Kleidergeschäft, welches sich unter anderem auf schicke Manteaus spezialisiert hat: Sie haben es sich in den Kopf gesetzt, ihrer Sana‘Dei, ihrer Tante aus der Schweiz einen modernen Hijab zu verpassen: Mantel, Hemd und Hose wollen gekauft sein. Mir schwant einiges: Ich entspreche mit meinen über 1.80 Metern, den Hüftringen und meinem sich allzu bereitwillig gravitationsbedingt Richtung Knie aufgemachten Bauch und Hinterteil nicht wirklich dem iranischen Mannequin: Die meisten Frauen erreichen kaum 1.65 Meter und wer mit dieser Körpergrösse als Dick gilt, erreicht dennoch kaum eine Europäische 44. Die hübsche - und natürlich mit iranischen Model-Massen gesegnete - Verkäuferin blickt zu mir hinauf und überlegt sich wohl, wie sie meinen Nichten möglichst höflich klarmachen kann, dass für dieses Ungetüm von Frau höchstens ein Mantel, keineswegs jedoch eine Hose oder eine Bluse zu finden sein wird. Ich lächle sie fröhlich an und erlöse sie mit einem beruhigenden „no Problem“. Die jüngere meiner Nichten hat sich jedoch bereits in den Kopf gesetzt, dass ich eine elegante Leinenhose probieren soll. Ein schönes Stück - aber ich sehe schon von weitem, dass sie nicht nur zu eng wäre, sondern auch lächerlich kurz. Ich lasse mich dennoch dazu überreden, sie zu probieren, natürlich mit dem erwarteten vernichtenden Ergebnis. 
Aber einen hübschen Mantel finden wir und am Ende sind wir alle zufrieden...
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    "For my part, I travel not to go anywhere, but to go. I travel for travel's sake. The great affair is to move; to feel the needs and hitches of our life more nearly; to come down off this featherbed of civilization…"
    B. L. Stewenson : Travels with a Donkey. In: E. Crawshay Williams: Across Persia, London 1907

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