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Tücken der Technik

22/8/2018

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Das Internet ist in Iran fest in der Hand der Regierung. Viele ausländische Dienste und Webseiten sind dauerhaft gesperrt oder werden jeweils je nach Lage der Nation ad hoc gesperrt. So sind beispielsweise Facebook, Youtube, Twitter und andere Soziale Medien in Iran nicht aufrufbar. Diverse Zeitungen und Nachrichtendienste – vorwiegend aus den USA – ebenfalls nicht. Auch mein Website-Builder Weebly ist – obwohl mit einer Schweizer Adresse verbunden – nicht aufrufbar. Neben der Sperre und der Internetzensur fährt die Regierung regelmässig die Übermittlungsgeschwindigkeit herunter. So sind dann zwar Internetseiten aufrufbar, aber die Geschwindigkeit ist so langsam, dass man das Gefühl hat, man sei grad so schnell nach Europa gereist, um die Seite vor Ort anzusehen, wie sie hierzulande geladen wird. So wird das Beobachten eines drehenden Rädchens oder eines sich mit ätzender Langsamkeit füllenden Download-Balken zu einer wahren Zen-Übung!

Zum Glück sind die Iraner in allen Lebenslagen selten um Lösungen zur Behebung der vielen Mühseligkeiten des täglichen Lebens verlegen und haben technisch aufgerüstet. Nirgends in der Welt werden wohl so viele VPN-Verbindungen verwendet, wie hierzulande. Mit teilweise bis zu drei oder vier unterschiedlichen VPN-Providern werden Daten verschlüsselt, Standort-Adressen verschleiert und den Iranischen Zensur-Mitteln vorgegaukelt, dass der Aufruf einer gesperrten Seite eben nicht aus dem Iran erfolgt, sondern über einen Server in den USA oder Europa. Auch ich bin unterdessen – dank eines unserer technikbegabten Neffen in Iran – stolze Besitzerin von drei VPNs auf meinem Handy sowie auf dem iPad geworden. Und dank dem eingebauten VPN in meinem neuen Internetbrowser Opera, komme ich nun auch wieder auf meinen Blog. Auch bezüglich Internet-Zugang und Geschwindigkeit wurde ich aufgerüstet: Eine „aufgemotzte“ iranische SIM-Karte mit gefühlten tausend Gigabite sorgt – über das iphone mit dem Computer verbunden – für durchaus annehmbare Geschwindigkeiten. Sofern überhaupt ein Handy-Empfang besteht, versteht sich...

An dieser Stelle meinen herzlichen Dank an meinen technikbegabten Neffen Marc  in der Schweiz, der spontan eingesprungen ist und einige Texte während meiner zensurbedingten Blogabwesenheit publiziert hat!

Die Technik für die Internetzensur hat Iran übrigens ganz legal von Nokia Siemens Network gekauft. Nokia Siemens Networks behauptete, dass das System nur die Funktionalität zur Überwachung illegaler Vorgänge besitze. Trotzdem kritisierte das Europäische Parlament Nokia/Siemens im Jahr 2010 scharf für die Lieferung von für Zensur und Überwachung notwendige Technologien an die iranischen Behörden, die der Verfolgung und Verhaftung iranischer Dissidenten dienen. Ebenfalls wird Technik von der US-amerikanischen (sic!) Firma Secure Computing entwickelte Content-Control Software Secure Computing eingesetzt. Secure Computing gab an, die Software nicht an den Iran verkauft zu haben, die Behörden nutzten die Software illegal ohne Lizenz.

Jeder Internetdienstanbieter (ISP) muss vor seiner Inbetriebnahme von der Telecommunication Company of Iran (TCI) und dem Ministerium für Kultur und Islamischer Unterweisung bewilligt werden. Die Verwendung von Filtersoftware für Websites und E-Mails ist vorgeschrieben. Laut iranischen Pressemitteilungen hat die Regierung für die ISPs 2003 eine Liste mit 15.000 zu blockierenden Seiten erstellt. ISPs werden bei Nichteinhaltung der Filterbedingungen zu hohen Geldstrafen verurteilt. Im Jahre 2013 wurde bekannt, dass die Regierung ein eigenes Intranet für Iran plane, das 2015 in Betrieb genommen werden sollte und den Iran vom Globalen Internet komplett abkoppeln sollte. Dies ist bis heute jedoch nicht der Fall.
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Übrigens hätte ich gerne noch das eine oder andere weitere Kluge zum Thema gesagt. Dafür hätte ich aber Unterstützung aus dem Netz benötigt. Es darf dreimal geraten werden, was passierte, als ich die Suche „Internetzensur im Iran“ in Google eingab: Genau, die Seite wurde gesperrt.  
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1 Comment
Besucher
29/8/2018 10:09:30

Interessant, vielen Dank!

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    "For my part, I travel not to go anywhere, but to go. I travel for travel's sake. The great affair is to move; to feel the needs and hitches of our life more nearly; to come down off this featherbed of civilization…"
    B. L. Stewenson : Travels with a Donkey. In: E. Crawshay Williams: Across Persia, London 1907

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