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Rund um Rudbar

1/9/2018

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In Rudbar treffen wir verschiedene Jugendfreunde von N und unternehmen mit ihnen Ausflüge in die Umgebung. So zum Beispiel hinauf in die Berge oberhalb von Totkebon – ein Gebiet, in dem N vor seinem Militärdienst in den siebziger Jahren ein halbes Jahr mit der “Gesundheitsarmee“ des Schahs unterwegs war, um in den entlegenen Dörfern Leute zu impfen. Wo wir heute problemlos mit dem kleinen Pride hinaufkommen, war früher ohne Jeep kein Durchkommen. Einzelne Dörfer konnten gar nur zu Pferd erreicht werden. Hier auf der rechten Talseite des Sefid Rud ist es sehr grün, und der „Djangal“, der Wald, reicht bis in die Dörfer hinab. Grosse Hunde sind unterwegs, sie schützen die Höfe mit den Kühen, Ziegen, Schafen und Hühnern vor den Wölfen, von denen es hier oben viele gibt. Auch Bären wurden gesichtet und Luchse. Wir machen Halt in einem kleinen Dorf und trinken bei einer Metzgerei einen Tee und essen ein Kebab: Lamm am Spiess vom Feuer mit Fladenbrot und Zwiebeln. Die Schafhälften hängen draussen unter dem Vordach, und warten auf Käufer aus dem Tal. Die vielen Fliegen freuts. Zwischen den alten Häusern mit kleinen Gärten, die mit Zäunen aus getrockneten Ästen umgeben sind, ragen einige neue mehrstöckige und verschnörkelte Villen auf: Die Furcht vor der grassierenden Inflation und dem laufenden Wertverlust der iranischen Währung führt zu einem teilweise aberwitzigen Bauboom – an den unmöglichsten Orten wird gebaut, Hauptsache, das Geld ist investiert und nicht auf der Bank, wo es täglich weniger wird.



Nach diesem Ausflug fahren wir auf eine Anhöhe bei Rudbar. Hier oben, auf einer nach Norden und Süden offenen Felsnase, hat die Regierung ein Bauprojekt gestartet: Etwa zwanzig zu einem richtiggehenden Wall zusammengebaute Häuser stehen hier oben im Wind – sie wurden als subventionierter Wohnraum für die ärmere Bevölkerung gebaut. Leider bedachte man nicht, dass die steile Strasse hier hinauf im Winter kaum passierbar ist. Schnee und Eis verhindern, dass die Leute, die hier oben wohnen, überhaupt ins Tal hinunter kommen. Weitere 15 Häuser sind im Bau – ganz offensichtlich wurde hier aber schon lange nicht mehr gearbeitet. Unser Freund erklärt uns, weshalb: Die Baufirmen – allesamt von ausserhalb und wahrscheinlich durch Beziehungen in die richtigen Behördenstellen zu den Aufträgen gekommen, haben gebaut, solange das Interesse am Projekt und damit die Aufmerksamkeit daran bestand. Kaum blickte man an andere Orte, nahmen sie das Geld und verschwanden. Hat man die richtigen Beziehungen, so kann man dies offenbar ungestört und von der Justiz unbehelligt tun.



Später fahren wir nach Harzevil, ein kleines Nest oberhalb von Manjil. Hier steht eine uralte Zypresse (mindestens 2500 Jahre alt, versichert jeder), die natürlich zum Besichtigungsprogramm rund um Rudbar gehört. Wir hatten bereits 2010 das Vergnügen. Heute ist eine ganz besondere Stimmung, denn oberhalb von Harzevil regnet es, während hier die Sonne scheint und über der mächtigen Zypresse spannt sich ein vielfarbiger Regenbogen. Hier oben liegen ganz in der Nähe die Ruinen einer ganzen Siedlung: Hier lebten die Ingenieure und Fachkräfte aus Frankreich, die in den siebziger Jahren den Staudamm von Manjil gebaut haben. Es gab Häuser, ein Schwimmbad, diverse Restaurants, ein Kino und sogar eine Kirche. Zahlreiche Rudbari arbeiteten damals ebenfalls hier und man trifft in Rudbar entsprechend viele ältere Leute, die heute noch etwas französisch reden. Eingerostet zwar und mit vielen Entschuldigungen („Bebakhschid“), wenn die Worte sich nach so vielen Jahren nicht mehr einfach finden lassen. Die Siedlung wurde nach der islamischen Revolution komplett zerstört, nur die Grundmauern sind – überwuchert und seit bald vierzig Jahren der Natur überlassen – noch sichtbar. Und der Pool, der hinter einem hohen verrosteten Zaun in verwittertem Blau durch das Gestrüpp schimmert. Wir passieren die alten Wege und N und sein Freund erzählen davon, wie lebendig es hier war und auch sie hier als junge Männer die Restaurants und das Kino besucht haben...



Bild
Die neue Siedlung über Rudbar - nicht fertiggebaut...
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    "For my part, I travel not to go anywhere, but to go. I travel for travel's sake. The great affair is to move; to feel the needs and hitches of our life more nearly; to come down off this featherbed of civilization…"
    B. L. Stewenson : Travels with a Donkey. In: E. Crawshay Williams: Across Persia, London 1907

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