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Nach Norden

30/8/2018

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In den Feiertagen und in den Sommerferien zieht es das halbe Land nach norden an das Kaspische Meer. Insgesamt drei Übergänge durch das Elbusgebirge stehen den an manchen Wochenenden hundertausenden Autos für die Passage zur Verfügung: Die Strecke Qazwin – Rudbar – Rasht, die Passstrasse von Karaj nach Chalus und der Übergang von Teheran nach Amol, wenn die östliche Kaspi-Küste das Ziel ist. Die beliebtesten Orte an der Kaspi-Küste liegen jedoch zwischen Chalus und Bandar Ansali westlich vom Chalus-Pass. Da wir von Karaj her kommen und nach Rudbar wollen, ist unsere Route jene über Qazwin. Es ist wieder einmal ein Feiertag, und unser Neffe, der uns zusammen mit einer Schwester von N und ihrem Mann nach Norden bringen soll, holt uns gegen fünf Uhr Nachmittags ab – genau richtig, um in die Rush-Hour nach Norden zu geraten. Zuerst jedoch müssen wir von Karaj auf die Autobahn nach Qazwin finden: Hier zeigt sich die etwas eigenwillige Art und Weise der Verkehrsführung im Iran besonders deutlich. Eigentlich müssten wir schnurgerade nach Norden, um die Autobahn zu treffen. Dazu gibt es jedoch keine Strasse – diese sind alle von Ost nach West – als Verbindungen von Teheran in die Satellitenstädte – gebaut und sind jeweils in unregelmässigen Abständen untereinander von Süd nach Nord verbunden. Dies leider nicht durchgängig, sondern immer nur in kurzen Abschnitten. Eine weitere Besonderheit treffen wir hier mit ganz besonderen Folgen an: die in Iran so beliebten U-Turns (ich kenne keinen Ausdruck dafür auf Deutsch). Die langen Boulevards in den Ortschaften sind jeweils zweispurig richtungsgetrennt und in der Mitte unterbrochen von einem Saum von Grünflächen. Ein Einbiegen in einen solchen Boulevard ist damit jeweils nur in eine Richtung möglich. Will man in die andere Richtung, so biegt man zuerst in die erlaubte Richtung ein, fährt dann im dümmsten Fall mehrere Kilometer und bekommt an einem sogenannten U-Turn die Möglichkeit, durch einen Durchbruch im Grüngürtel auf die Gegenfahrbahn zu gelangen, um in die gewünschte Richtung zu kommen. Um den einbiegenden Autos die Möglichkeit zu geben, unter reduzierter Gefährdung ihres Lebens in den brausenden Verkehr einzufädeln, befinden sich kurz vor den U-Turns Schwellen, die den herankommenden Verkehr abbremsen sollen. Dies gelingt grundsätzlich auch, aber auch bei langsamerem Verkehr ist in den Stosszeiten das Einfädeln jeweils durchaus eine nervenaufreibene Angelegenheit – vor allem dann, wenn der herannahende Verkehrsstrom vorwiegend aus Lastwagen besteht.

Wir bahnen uns also unseren Weg im Zickzack nach Norden: Hundert Meter nach Norden, einbiegen nach Osten (dort wollen wir gar nicht hin), U-Turn nach Westen (dort wollen wir hin), abbiegen für weitere hundert Meter nach Norden, abbiegen nach Osten (wir wollen immer noch nicht dort hin) und weitere U-Tuns. Nach vierzig Minuten haben wir es geschafft und die (gefühlt) rund 2 Kilometer Luftlinie nach Norden überwunden – endlich sind wir auf der Autobahn über Qazwin, Lohshan, Manjil nach Rudbar. Zuerst befinden wir uns auf dem persischen Hochplateau. Hinter Qazwin senkt sich die Strasse dann ziemlich abrupt und führt in weiten Bögen hinunter Richtung Lohshan und durch mehrere Durchbrüche im Elburs schliesslich nach Manjil mit dem gleichnamigen Stausee. Hier befindet sich – wegen dem regelmässig starken Wind, der durch die Durchbrüche von Norden nach Süden bläst – auch der grösste Windpark Irans. Wir halten hier aber nicht an, sondern fahren direkt weiter nach Rudbar, die Heimatstadt von N.

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    "For my part, I travel not to go anywhere, but to go. I travel for travel's sake. The great affair is to move; to feel the needs and hitches of our life more nearly; to come down off this featherbed of civilization…"
    B. L. Stewenson : Travels with a Donkey. In: E. Crawshay Williams: Across Persia, London 1907

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