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In den Bergen von Kashan oder: Mard-e pir

25/8/2018

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Die nächste Station ist ein winziges Dorf in den Bergen von Kashan. Wir besuchen einen „Amou“ (Onkel väterlicherseits) unseres Fahrers, der im hintersten Flecken eines Tales weit oberhalb von Kashan lebt. Hier oben ist es angenehm kühl, nach Sonnenuntergang im Wind sogar so frisch, dass wir froh sind, einen Pullover dabei zu haben. Der Alte begrüsst uns überschwänglich und tattert auf krummen Beinen wacklig und aufgeregt umher, verschiebt hier ein Glas, zupft dort an einer Ecke des staubigen Teppichs und entschuldigt sich in einem fort, dass er nicht mit Gästen gerechnet habe und daher sein Haus etwas in Unordnung sei: „Bebakschid!“. Uns stört dies nicht weiter, der gute Alte lebt hier oben ganz alleine in einer Lehmhütte. Ein Raum bildet Wohn- und Schlafzimmer, der andere Raum ist die Vorratskammer und Küche. Strom gibt es hier oben keinen, der Raum wird durch eine Petrollampe beleuchtet, die nicht nur ein orange-warmes Licht sondern auch ein wohlige Wärme verbreitet. Man bringt uns einen Teppich in den Hof und unser Fahrer und sein Amou kochen uns Tee auf einem Feuer in der hinteren Ecke des Hofes. Die nacht ist – bis auf ein paar bellende Hunde, die nachts zum Schutz vor Füchsen, Schakalen und Wölfen frei herumlaufen – still und der Vollmond taucht das Tal, die umliegenden Bergrücken und den Hof in silbernes Licht. Wir geben uns nach dem aufregenden Tag der Stille hin, die nur unterbrochen wird vom Gemurmel des Alten, der seine Aufregung unterbrochen hat, um drinnen bei offener Türe zu beten.
​


Beim Essen dann – das aus Reis, Brot und „Schami“, d.h. In Tomate gedünsteten Hackfleischplätzchen besteht – erzählt der Alte von seinem Leben hier oben. Es sei manchmal schon etwas einsam, insbesondere im Winter, wenn das Tal von hohem Schnee bedeckt ist und tagelang von der Aussenwelt abgeschnitten. Dennoch will der über 95jährige nicht zu seinen Kindern nach Kashan ziehen, obwohl auch seine Frau bereits dort lebt: Er ist überzeugt davon, dass er in der Stadt schon nach wenigen Tagen sterben würde. Hier oben aber macht der Alte einen überaus munteren Eindruck. Ihm hat es insbesondere unsere junge hübsche Nichte angetan, und bald schon hat er sie eingeladen, doch hier oben zu bleiben und ihm den Haushalt zu führen. Ihre höflich-fröhliche Absage will er in keinem Fall gelten lassen und er zählt alle Vorteile auf, die er doch einer jungen hübschen Frau zu bieten habe: 10 Schafe, 5 Ziegen, mehrere Granatapfelbäume, Aprikosen, ein Haus mit zwei (!) Zimmern, ein ansehnliches Stück Boden. Und – als wäre dies alles nicht schon genug – weist er mit einem zahllosen Grinsen verschmitzt auf seinen Mund und betont, er habe sogar noch insgesamt zwei Zähne.


Natürlich bleibt auch hier die Einladung nicht aus, hier zu übernachten. Wir lehnen höflich ab und nachdem die Einladung auch nach dem dritten Ablehnen bestehen bleibt, greife ich zu einer Notlüge, die nicht wirklich eine ist: Mir sei nicht so gut und wir zögen es daher vor, zurück in die Stadt zu fahren. Wir verabschieden uns also von dem munteren alten Kerl und fahren die kurvenreiche Strecke nach Kashan zurück. Hier beziehen wir kurz vor Mitternacht unser Zimmer in einem der traditionellen Hotels – mit Strom, Klimaanlage, Dusche und WC im Zimmer und einem schönen, weichen Bett...
Bild
Sana Historical Hotel, Kashan
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    "For my part, I travel not to go anywhere, but to go. I travel for travel's sake. The great affair is to move; to feel the needs and hitches of our life more nearly; to come down off this featherbed of civilization…"
    B. L. Stewenson : Travels with a Donkey. In: E. Crawshay Williams: Across Persia, London 1907

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