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In Anzali

4/9/2018

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In Anzali angekommen: Bandar Anzali ist einer der wichtigsten Häfen der iranischen Kaspi-Küste. Neben dem grossen Hafen bietet Anzali aber auch eine schöne Küste, ein grosses Naturschutzgebiet (Mordar Anzali), wo Millionen von Zugvögeln jeweils überwintern, ein breites Touristisches Angebot (wo die „Zugvögel“ aus dem heissen Süden den Sommer verbringen) und eine Zollfrei-Zone zum Einkaufen. Es gibt ein Aquarium, am Strand werden Jet-Skis und Boote vermietet und man kann Wasserski fahren. Die Villa des Cousins liegt in einem grossen, bewachten Komplex ausserhalb von Anzali. Wir fahren durch den Komplex auf der Suche nach der Richtigen Adresse an mediterranen Gärten und wunderschönen Villen vorbei und finden unser Ziel in der zweiten Reihe vor der Küste: ein Anwesen, das über tausend Quadratmeter gross ist, mit einem wunderschönen Garten mit Blumen, Palmen, Rosenbögen und Orangenbäumen. Die Villa selber stammt aus den Siebziger Jahren und bietet auf 250 Quadratmetern genug Platz, um unsere ganze Familie (wir sind zu zehnt unterwegs) bequem unter zu bringen. Der ganze Spass kostet monatlich umgerechnet rund 300 Franken, ein Vermögen für iranische Verhältnisse. Die armen Verwandten sind etwas verunsichert: der Begriff „Villa“ bedeutet umgangssprachlich häufig einfach „Ferienhaus“ und sagt noch nichts über Grösse und Komfort aus. Hier ist offensichtlich aber sehr viel Reichtum im Spiel, dies zeigt sich auch an der diskret in der hinteren Auffahrt parkierten BMW Limousine. Wir werden aber alle äusserst herzlich empfangen und es gibt keine Spur von Standesdünkel. Auch nicht gegenüber der Haushalthilfe, die diskret in der Küche werkelt oder gegenüber dem Gärtner, der für den Unterhalt und Bewässerung der schönen Gartenanlage besorgt ist.


Der Cousin hat sein Chemiestudium noch zu Zeiten des Schahs in Teheran absolviert, ist dann zum Doktorieren nach Bonn und hat nach verschiedenen Stationen als Chemiker vor allem im Bereich Oliven, eine eigene Düngemittelfabrik eröffnet und ist durch viele Jahre harter Arbeit, einem guten Geschäftssinn, jonglieren mit der Regierung und den Behörden zu ansehnlichem Vermögen gelangt. Die Unternehmensleitung mitsamt Fabrik hat der fast Achtzigjährige vor einigen Jahren seiner Tochter übergeben. Sie ist ebenfalls in Anzali, wenn auch nur kurz: sie muss noch den Abendflieger nach Teheran erreichen, da sie morgen früh eine wichtige Sitzung hat. Sie ist eine freundliche, moderne junge Frau, verheiratet, ohne Kinder dafür mit Katze, braungebrannt, sportlich und redet perfekt Englisch. Wir fragen, ob es in der männerdominierten Gesellschaft Irans nicht schwierig ist, sich als Unternehmerin durchzusetzen. Sie wiegelt ab - häufig sei es ein Vorteil, als Frau Geschäfte zu machen, dann etwa, wenn Abnehmer nicht bezahlen. Wenn sie als Frau das Geld einfordert, dann klappe dies meistens sehr gut: Die Männer sind beschämt, sich von einer Frau mahnen lassen zu müssen und regeln den Ausstand viel schneller. Häufig seien aber auch Preis- oder Vertragsverhandlungen einfacher, da die Männer dazu tendieren, sie als Frau nicht ernst zu nehmen, was mit etwas taktischem Geschick zum eigenen Vorteil ausgenützt werden kann. Es ist aber allen klar, dass eine Frau in Iran um erfolgreich zu sein, in jedem Bereich fleissiger, besser, gewiefter, durchhaltewilliger und insgesamt härter im Nehmen sein muss als die Männer.


Natürlich haben alle ihre Badesachen dabei, auch die Frauen haben ihr „Maillot“, ihr Badkleid dabei. Und natürlich darf Frau nicht einfach an den Strand, die Kleider ausziehen und mit Badkleid oder gar Bikini schwimmen gehen. Für Frau gibt es am kaspischen Meer zwei Möglichkeiten: Entweder in ein Frauenbad oder mitsamt Kleider und Kopftuch ins Wasser. Wir diskutieren die Alternativen: Die Damen möchten mich gerne auf westliche Art ins Wasser bringen. Dazu müssten wir aber zuerst eine Frauenbad finden und wahrscheinlich wieder eine Fahrt kreuz und quer durch Anzali und seine Touristenmassen machen. Andererseits müssten wir uns aufteilen, denn natürlich dürfen die Männer und die Jungs nicht mitkommen. Ich bin unschlüssig: Sicher wäre es eine interessante Erfhrung, ein iranisches Frauenbad zu besuchen. Andererseits finde ich es schade, wenn wir nicht alle miteinander gehen können. So beschliessen wir, das Frauenbad Frauenbad sein zu lassen und ziehen alle zusammen in der Dämmerung an „unseren“ Strand hinunter. Hier hüpfen die Damen allesamt mit den Kleidern – und die älteren unter ihnen mit Kopftuch – in die Wellen und tollen ausgelassen fast eine Stunde im lauwarmen Kaspiwasser herum. Ich begnüge mich damit, meine Hosen hochzukrempeln und vom seichten Wasser aus das Treiben zu beobachten und zu fotografieren...


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    "For my part, I travel not to go anywhere, but to go. I travel for travel's sake. The great affair is to move; to feel the needs and hitches of our life more nearly; to come down off this featherbed of civilization…"
    B. L. Stewenson : Travels with a Donkey. In: E. Crawshay Williams: Across Persia, London 1907

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