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Flug nach Teheran

19/8/2018

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Um 7.10 Abflug von Zürich, Zwischenstopp in Wien. Nun sitzen wir im Flieger nach Teheran - Iran hat bereits in der Abflughalle in Wien beim Gate G 16 begonnen: Die Iranerinnen und Iraner sind in der Mehrzahl. Einige führen letzte Telefongespräche  - lautstark unterhalten sie sich mit dem Handy, das sie ausgestreckt vor sich hin tragen und jeweils in die Runde schwenken, um ihren videotechnisch nähergebrachten Nächsten möglichst viel von der Umgebung zeigen zu können. Einige offensichtlich gutbetuchte ältere Herr- und Damenschaften werden mit einem Golfwagen direkt zum Gate gefahren und einem jungen Mann übergeben, der offensichtlich weiss, wer wann wohin gehört. Grund für diverse ältere Damen, die bereits seit mindestens 20 Minuten alle am Gate ankommenden gefragt haben, ob hier wirklich der Flug nach Teheran starte, den jungen Mann ebenfalls zu belagern und sich ein weiteres Mal darüber zu versichern, dass sie wirklich und wahrhaftig am richtigen Ort sind. 

Eine zarte ältere Frau setzt sich mit einem zurückhaltenden Lächeln neben uns. N. wendet sich ihr zu und beginnt eines dieser wunderbar-kompliziert-höflichen Gespräche, wie sie unter Iranern üblich sind und von denen ich nie genug bekomme, sie zu beobachten: Nach einem ersten „Bitte schön, ist es erlaubt?“ und einem mit einem höflichen Lächeln begleiteten „natürlich, bitte setzen Sie sich, Madame“, folgt die erste Runde: „Wie geht es Ihnen, ich hoffe, gut?“, was die Antwort erfordert „Vielen Dank für Ihre freundliche Nachfrage, und Ihnen, ich hoffe, es geht Ihnen ebenfalls gut, Madame?“, was zu „Sie sind zu nett, so freundliche nachzufragen, ja danke, es geht gut!“. Dann geht es in die zweite Runde: „Darf ich vielleicht nachfragen, bitte, Sind sie auch Iraner?“ - diese Nachfrage ist unbedingt nötig, auch wenn das Gespräch bisher in schönstem Hoch-Persisch geführt wurde - denn man befindet sich schliesslich im Ausland. „Ja, natürlich, fühlen Sie sich frei, zu fragen! Ja, ich bin auch Iraner. Bitte entschuldigen Sie die Aufdringlichkeit, aber fliegen Sie nach Hause zurück oder leben Sie in Europa?“ Diese Frage ist nicht nur dazu da, beantwortet zu werden, sondern sie lädt dazu ein, zu erzählen. Von den Kindern in Österreich, die besucht worden waren, davon, dass sie die Zeit sehr genossen habe, aber doch alles sehr ungewohnt und fremd gewesen sei und sie nun - obwohl sehr traurig, da sie die Kinder nun einige Zeit nicht mehr sieht - wieder nach Hause in den Norden kann, wo ihre anderen Kinder leben und sie auch.
Sie zeigt N. Ihr Ticket und bittet ihn etwas beschämt, ihr zu übersetzen, was auf dem Boarding Pass steht. Er übersetzt es ihr und es wird klar, dass die nette ältere Frau nicht viel anzufangen weiss mit den lateinischen Buchstaben. Sie hat weder Deutsch noch Englisch jemals sprechen gelernt, geschweige denn zu schreiben. Die Reise nach Europa muss eine riesige Herausforderung sein für sie. Wohl wurde sie wahrscheinlich von ihren Verwandten in Teheran und in Wien so weit wie es nur möglich war, ins Innere des Flughafens begleitet, aber im Grenzgebiet zwischen der Scheibe der Abflughalle und der Scheibe in der Ankunftshalle war sie inmitten des aviatischen Grenzgebietes ganz auf sich alleine gestellt. Ihre Verwandten haben sie wohl in bester persischer Manier verabschiedet: Im unerschütterlichem Vertrauen in die Hilfsbereitschaft der eigenen Landsleute im Abflugsbereich und mit so vielen Ratschlägen, Anweisungen und Aufmunterungen dass sie wohl vollends konfus geworden wäre, wäre sie nicht eine Iranerin sondern eine Europäerin - der Herr wird es schon richten, insch‘Allah!



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    "For my part, I travel not to go anywhere, but to go. I travel for travel's sake. The great affair is to move; to feel the needs and hitches of our life more nearly; to come down off this featherbed of civilization…"
    B. L. Stewenson : Travels with a Donkey. In: E. Crawshay Williams: Across Persia, London 1907

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