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Chosch amadid - Very happy!

21/8/2018

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​Gestern angekommen: der Flug war problemlos, entgegen den Informationen auf dem Interne zur Flugroute sind wir nicht über Nordsyrien und Irak geflogen, sondern über die Türkei und Armenien. Erst südlich von Eriwan änderte man Kurs und steuerte die Iranische Grenze an. Kurz bevor das Flugzeug über Nordiran in den Sinkflug ging, entstand Bewegung beim weiblichen Teil der Flugpassagiere: Die Gepäckaufbewahrungen wurden geöffnet, Handkoffer hervorgeholt, „Manteau“ und Schals herausgesucht und es dauerte nicht lange, bis sich lange Schlangen vor den Toiletten bildeten: Enge T-Shirts, ausgeschnittene Blusen, kurze Röcke mussten ausgetauscht werden gegen die den islamischen Kleidervorschriften entsprechende Damenkleidung. Kurz vor der Landung waren Haare und Nacken ordentlich bedeckt und die höfliche Damenstimme, welche die Passagiere nach der Landung auf dem Weg zum Terminal die Fluggäste auf persisch und Deutsch auf die geltenden Kleiderbestimmungen aufmerksam machte, wäre gar nicht nötig gewesen. Ich hatte meinen Schal kurz vor der Landung ebenfalls ordentlich um den Kopf geschlungen - in bester Grace-Kelly-Mainier, nur nicht so elegant - und meine Stirnfransen versteckt.

Bei der Einreisekontrolle: Da wir mit iranischen Pässen einreisten, stellten wir uns in die Schlange der Einheimischen - bei den Schaltern für Ausländer standen lediglich eine Handvoll Leute, die zügig und unbürokratisch eingelassen wurden. Auch bei uns lief alles gut - der Beamte warf einen eher gelangweilten Blick auf den Pass von N und gab ihn sofort zurück. Mit meinem Pass nahm er sich seine Zeit, blätterte nach vorne und wieder nach hinten, tippte irgendetwas in den Computer, schüttelte den Kopf, tippte weiter - klackklackklack - startet angestrengt in den Monitor und verzog das Gesicht. Ich wurde langsam nervös, versucht aber, in gleicher stoischer Ruhe und ohne eine Miene zu verziehen wie N, dem Treiben gegenüber scheinbar völlig unbeteiligt zu wirken. Endlich schien er mit dem Resultat wenn nicht zufrieden, dann doch wenigstens soweit befriedigt, dass er mir den Pass mit einem letzten stechend-forschenden Blick wieder zurück gab.

Beim Zoll: Die Vorschriften sehen eigentlich vor, dass man sich, ist man nicht in den letzten acht Monaten bereits einmal eingereist, durch die „rote Linie“ folgen sollte - dies ist der Weg, den auch jene zu gehen haben, die etwas zu verzollen haben. Kurz vor der Entscheidung, ob nun rot oder grün, sprach uns ein Zöllner an, woher wir kämen und winkte uns durch die grüne Spur, nachdem er gehört hatte, wir kämen aus der Schweiz. Offenbar nahm er an, dass wir weder illegale Waren noch Waren zum Verzollen mitbrächten, wenn wir aus der Schweiz kommen. Womit er natürlich zumindest in meinem Fall auch vollkommen recht hatte!

In der Ankunftshalle dann grosses Hallo! Eine Nichte mit ihrem Mann ist gekommen, um uns abzuholen - wir werden sehr herzlich begrüsst und mir wird ein riesiger Blumenstrauss in die Arme gedrückt. Schon bald ist das Gepäck im kleinen Wagen verstaut und wir fahren los. Welcome to Iran!


Die Freude bei Ns Familie ist gross über unsere Ankunft. Alle sind sie da und warten auf uns - die Schwestern von N, die Nichten und Neffen, die Kinder und die Ehemänner. Die Frauen umarmen und küssen uns, die Männer umarmen N und küssen ihn, und wenden sich mit der Hand auf dem Herz mir zu und begrüssen mich ebenfalls: ohne Handschlag, ohne Berührung und auf sicherer Distanz aber mit viel Freude und Ehrerbietung. Es ist nicht üblich in Iran, dass sich Männer und Frauen die Hand zur Begrüssung geben. Eine Sitte, die auf den ersten Blick vielleicht etwas unhöflich und frauenfeindlich wirkt. Und es oft wohl auch ist. Aber nicht in unserer Familie: Es ist unverkennbar, dass die Herren sich über meine Anwesenheit freuen, sie strahlen über das ganze Gesicht, verbeugen sich mehrmals mit der Hand auf dem Herzen und heissen mich mit eleganten Phrasen willkommen. Die jungen Neffen hingegen scheren sich nur halb um die Regeln, packen meine Hand und schütteln sie energisch-freudig und wünschen „Welcome to Iran - Chosch Amadi! We are very happy to see you!“ Und die jungen Frauen werfen sich mir mit einem Aufschrei um den Hals, drücken und küssen mich und plaudern fröhlich drauflos, persisch, englisch, deutsch, alles durcheinander, genau so wie meine Antwort: keiner versteht mein babylonisches Mischmasch - aber wen schert es!


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    "For my part, I travel not to go anywhere, but to go. I travel for travel's sake. The great affair is to move; to feel the needs and hitches of our life more nearly; to come down off this featherbed of civilization…"
    B. L. Stewenson : Travels with a Donkey. In: E. Crawshay Williams: Across Persia, London 1907

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