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Auf dem Weg in die Wüste

24/8/2018

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​Nach dem Besuch in Abanyeh fuhren wir nach Kashan zurück. Hier teilten wir uns auf: Da die meisten am nächsten Tag wieder arbeiten mussten, würden sie nach Karaj zurückfahren. N und ich blieben in Kashan zusammen mit unserer Nichte Sofiya. Sie hatte von unterwegs aus die nächsten zwei Tage organisiert: Wir sollten von Kashan aus mit dem Taxi in die Maranjab-Wüste fahren und am Abend in einem Hostel übernachten. Am nächsten Tag würden wir mit einem Fahrer frühmorgens eine Tour in die Wüste starten. Wir machten uns also auf die Suche nach einem Taxi, das uns in das Hostel bringen sollte und schon bald konnte unser Wüstenabenteuer beginnen. Etwa 5 km ausserhalb von Kashan geht die Strasse in eine Piste über und man muss einen Checkpoint vom Militär passieren: ein Teil der Fahrt zum Hostel führt durch militärisches Gebiet, wo Tests für Mittelstreckenraketen durchgeführt werden. Wie zu erwarten, gibt es Schwierigkeiten, weil ich Ausländerin bin - man will mich nicht passieren lassen. Wir bestehen darauf, dass ich Iranerin bin. Schliesslich durfte ich nicht mit meinem Schweizerpass einreisen, sondern musste den iranischen verwenden. Da Iran keine Doppelbürgerschaft anerkennt, gelte ich im Land als Iranerin. So weisen wir meinen Pass vor. Das reicht jedoch nicht - man sehe ja, dass ich Ausländerin bin. So viel gesunde Logik macht mich etwas sprachlos, aber wir geben nicht auf: schliesslich habe ich ja noch mein „rotes Büchlein“ dabei. Dieses ist eines der wichtigsten Dokumente im offiziellen Leben der Iraner. Unser Gegenüber staunt, nimmt das rote Heftchen entgegen und studiert es ausgiebig. Dann schüttelt er jedoch den Kopf: wenn ich keine „Carte Melli“ hätte, dann nütze alles nicht. Die Carte Melli ist so etwas wie eine Mischung aus Identitätskarte und Sozialversicherungsausweis. Natürlich habe ich keine Carte Melli und sehe unsere Expedition in die Wüste schon gescheitert, als N und Sofiya das schwere Geschütz auffahren: Es gäbe sicher eine Möglichkeit, er solle doch mit seinen Vorgesetzten telefonieren, ja, sofort, gerade jetzt, bitte, sehr freundlich, danke. Beide reden wortreich auf den Hüter der Schranke ein, ich verstehe die Taktik und mische mich ebenfalls ein, mit den paar Brocken, die ich persisch kann: Lotfan, cheili mahmnun, taschakord - egal was, Hauptsache reden, aber nie die Höflichkeit und den Respekt vermissen lassen. Als sich unser Taxifahrer ebenfalls einmischt, und wir im Quartett alle diplomatischen Register ziehen, wird es dem Mann wohl zu viel und er zieht sich in seine Baracke zurück, um tatsächlich ein Telefon zu machen. Ich werde den Verdacht nicht los, dass er nur so tut, als ob er telefonieren würde, er murmelt etwas ins Telefon, aber insgesamt habe ich eher den Eindruck, als bräuchte er eine Pause vor uns und unserem Drängen und vor allem eine Möglichkeit, dem Ganzen Spuk ein Ende zu bereiten, ohne das Gesicht zu verlieren. Und tatsächlich lässt er uns mit einem Brummen passieren. Gerade als wir zum Wagen zurückkehren fährt ein Offroader vor, dem neben einem jungen iranischen Fahrer zwei Westlerinnen entsteigen. Noch bevor unser Fahrer den Wagen gestartet hat, sind sie abgefertigt und können ebenfalls losfahren. Später erfahre ich, dass - bucht man eine Tour in Kashan oder Teheran - im Preis die „Spezial-Gebühr“ für die Durchfahrt von Ausländern bereits enthalten ist. Bald haben wir unser Hostel erreicht, das in einer Oase liegt und sogar über einen Teich mit Fischen und über einen kleinen Springbrunnen auf der Terrasse verfügt. Hier planen wir im Schatten des Hauses und einer Brise, die sich anfühlt wie der Haarföhn auf höchster Stufe, den nächsten Tag: Wecken um fünf, Abfahrt um 5.30 Uhr, Rückkehr am Mittag - länger in der Wüste zu bleiben, empfiehlt man uns nicht, es werden gut 50 Grad erwartet. Nach einem auch für iranische Verhältnisse späten Abendessen kriechen wir nach Mitternacht in die mitgebrachten Stoffschlafsäcke.

P.S.: Da Vollmond ist, überstrahlt dieser leider den ganzen Sternenhimmel, so dass man - obwohl die Lichtverschmutzung hier nur sehr gering ist - kaum einen Stern sehen kann. Dafür hat das silberne Licht des Mondes über den Sanddünen durchaus auch seinen Charme...

Hier nochmals einige Fotos (anklicken zum Navigieren):
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    "For my part, I travel not to go anywhere, but to go. I travel for travel's sake. The great affair is to move; to feel the needs and hitches of our life more nearly; to come down off this featherbed of civilization…"
    B. L. Stewenson : Travels with a Donkey. In: E. Crawshay Williams: Across Persia, London 1907

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