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Alkohol, Parties und Drogen

9/9/2018

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Alkohol ist in Iran streng verboten, dieses Verbot gilt auch für Besucher. Auch in Hotels ist – anders als in anderen islamischen Ländern – kein Alkohol zu bekommen. Einzig die Christen sind vom Alkoholverbot ausgenommen, aus religiösen Gründen. 2012 hat die iranische Verkehrspolizei eine vierwöchige Untersuchung durchgeführt mit dem Ergebnis, dass rund ein Viertel der kontrollierten Fahrer alkoholisiert waren. Wird man beim Akloholkonsum erwischt, drohen 80 Peitschenhiebe – dies ist die Strafe, welche die Scharia vorsieht: «Mohammed sagt, darauf stehen 80 Schläge». Schätzungen zufolge konsumiert rund eine Million Iraner regelmässig Alkohol. Sie erhalten diesen über komplizierte Wege («der Freund eines Freundes eines Freundes») und zu sehr teuren Preisen.

2010 waren wir in einem Vorort von Teheran an eine Party eingeladen. Hier wurde eine Flasche Whisky organisiert und mit Dollar bezahlt. Andernorts wurden wir zu einem Glas Wein eingeladen. Dieser wird entweder irgendwo selber hergestellt oder ebenfalls auf dem Schwarzmarkt – nicht selten bei den christlichen Armeniern – beschafft. Bei einem Ausflug mit Freunden in die Berge brachte jemand gar einen ganzen Kanister Wodka mit. Häufig wird auch Bier selber gebraut: dies ist – dank dem von der Regierung zugelassenen alkoholfreien Bier – sogar recht einfach herstellbar. Man nimmt einige Flaschen alkoholfreies Bier, fügt Zucker und etwas Hefe hinzu. Durch eine Woche Fermentierung wird damit der – in komplizierten Verfahren in der Produktion des alkoholfreien Biers ursprünglich entfernte – Alkohl wieder hinzugefügt. Ein solches Bier enthält nicht selten zwischen 8 und 9 Volumenprozent Alkoholgehalt.

Ist Alkohol vorhanden, dann wird selten Mass gehalten – wer weiss schon, ob die Party nicht aufgelöst werden muss, weil eine Kontrolle erfolgt. Solche Kontrollen können jederzeit vorkommen: ein schlecht gesinnter Nachbar kann jederzeit die Polizei rufen oder die Vorhänge an den Fenstern sind nicht richtig zugezogen und farbiges Licht oder die Schatten tanzender Leute sind von der Strasse her zu sehen. Droht eine Polizeikontrolle, dann wird als erstes der Alkohol weggeschüttet und als zweites die Kleiderordnung wiederhergestellt und die Musik runtergedreht. An unserer Party in Teheran ist alles gut gegangen – trotzdem war die Literflasche Johnny Walker noch vor dem Abendessen leer.

Natürlich werden an solchen Parties auch andere Gesetze gebrochen, so beispielsweise das Tanzverbot oder das Verbot moderner Musik. Und natürlich wird auch gegen die die Kleidervorschriften verstossen. Bevor ein iranisches Haus betreten wird, zieht man üblicherweise die Schuhe aus. Hijab und Manteau darf eine Frau nur in Gegenwart ihres Ehemannes, ihres Vaters oder ihrer Brüder abnehmen. Sind andere Männer im Raum, gelten die islamischen Kleidervorschriften weiter. Bei Hochzeiten und anderen Festen feiern die Frauen und die Männer nicht selten in separaten Räumen. Ganz anders an unserer Party: Die Damen – bei ihrer Ankunft vorschriftsmässig gekleidet – ziehen aus kleinen Stofftäschchen ihre Stilettos hervor und kommen nach einem kurzen Abstecher im Bad mit einem kurzen, tief ausgeschnittenen Hauch Stoff bekleidet auf hohen Absätzen zurück, bereit, um zu westlicher Technomusik oder verbotenem iranischen Rap und Rock ausgelassen zu tanzen.

Die Besucher an dieser Party bildeten einen Querschnitt der Bewohner des modernen Teherans: Da war zum Beispiel der bald sechzigjährige Dissident, jahrelang im Gefängnis und seiner Jugend, seiner Träume beraubt, der als Taxifahrer arbeitete und die Hoffnung nicht aufgab, trotz seiner Vorgeschichte doch noch einmal eine Ausreisegenehmigung und einen Pass erhalten zu und zu den Verwandten in die USA oder nach Australien auswandern zu können (dies ist ihm 2016 auch wirklich gelungen!). Eine jüngere Frau mit naturwissenschaftlichem Hintergrund, die mit CDs Englisch lernte in der Hoffnung, dass sie im Ausland einen Job und ein Leben als selbstbestimmte, freie Frau finden könnte, beides «nicht möglich in diesem Land der rückständigen Machos». Der über dreissigjährige unverheiratete Sohn aus reichem Hause, gestylt, gelangweilt, ohne Herausforderungen und vernünftigen Ziele, der nur kurz seine lässig-coole Haltung aufgibt als er hört, dass wir in Persepolis waren: «Das seien würdige Herrscher gewesen, die hätten Kultur gehabt und bereits vor 2500 moderne Gesetze, nicht diese bärtigen Mullahs, die heute das Land regieren!».

Der junge Mann lud uns im Laufe des Abends zu einer anderen Art Nervenkitzel ein, den wir jedoch dankend ablehnten: eine Fahrt über den Chalus-Pass. Auf der engen Passstrasse zwischen Karaj und Chalus messen sich die jungen Männer in den Nächten nach Parties öfters an Autorennen, die nicht selten tödlich enden.

Da man Alkohol riechen kann, bevorzugen nicht wenige junge Leute den Cannabis-Konsum. Aber auch härtere Drogen werden längst konsumiert: Traditionell war Opium die meistkonsumierte Droge im Land. Vor allem in ländlichen Gebieten galt Opium seit Jahrhunderten nicht nur als Droge, sondern wurde mangels anderer medizinischer Alternativen auch als universelles Schmerzmittel, zur Beruhigung von Säuglingen oder vor allem von alten Menschen beiderlei Geschlechts gegen Altersbeschwerden konsumiert.

In den achtziger Jahren stieg jedoch die Zahl der Süchtigen massiv an: Gemessen an der Bevölkerungszahl (83 Mio, Stand 2018), gehört die Islamische Republik bis heute weltweit zu den Nationen mit der höchsten Zahl an Suchtkranken. Die Deutsche "Zeit" schreibt 2016, dass rund 1,25 Millionen Iraner nach offiziellen Angaben abhängig sind, weitere 700.000 konsumieren gelegentlich Stoff, wobei die Dunkelziffer sehr viel höher liegen dürfte. Man geht dabei insgesamt von rund sechs Millionen Menschen aus, die mit Suchtproblemen zu kämpfen hätten, darunter mindestens 200.000 Alkoholiker. Die Alten konsumieren dabei meist Opium, die jungen Iraner dagegen sind längst auf härtere Drogen umgestiegen wie Crack und Crystal Meth («Shisheh»).

Insgesamt waren von 1980 bis 2000 etwa 1,7 Millionen Menschen wegen Drogenvergehen inhaftiert. Noch in den achtziger Jahren hatte der Staat Tausende Junkies in Umerziehungslager gepfercht, wo sie mit körperlicher Entgiftung, religiöser Sündenbuße und Zwangsarbeit von ihrer Sucht loskommen sollten. Andere bekamen Haft, Geldbußen oder Prügelstrafen. Dealer werden mit dem Tod bestraft. Doch der Erfolg blieb aus, im Gegenteil, viele gerieten erst in den Gefängnissen und Erziehungslagern an die harten Drogen. Darum ist die Regierung umgeschwenkt und lässt seit einigen Jahren wieder Initiativen für Prävention und Entzug zu.

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    "For my part, I travel not to go anywhere, but to go. I travel for travel's sake. The great affair is to move; to feel the needs and hitches of our life more nearly; to come down off this featherbed of civilization…"
    B. L. Stewenson : Travels with a Donkey. In: E. Crawshay Williams: Across Persia, London 1907

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